Die St. Galler Kanti-Schüler streiken jeweils am Freitag für einen besseren Klimaschutz. Die Medien sind begeistert, die Leserschaft in den Leserkommentaren nüchterner. Man wüsste nämlich gerne, was die Schülerinnen und Schüler konkret wollen, also welche Massnahmen sie als zielführender erachten als jene, die schon auf den Weg gebracht wurden. Auf die Frage, wohin die diesjährige Maturareise gehe, kam als Antwort nicht etwa «Wanderung auf den Säntis» oder «Radler-Tour um den Bodensee», sondern «Alicante», «Amsterdam», «Barcelona», «Malaga», «Mallorca», «Split» – die meisten Abschlussklassen setzen sich nach der Matura ins Flugzeug.
In den 70er-Jahres des letzten Jahrhunderts waren die Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule St. Gallen ebenfalls protestierend aktiv. Sie zogen durch die Strassen und schwenkten das rote Büchlein mit Mao Zedongs Spruchweisheiten, die sie als Kapitalismuskritik verwendeten. Möglicherweise wussten sie nichts von den ca. 45 Mio. Toten, die Maos «Grosser Sprung nach vorn» zwischen 1958 und 1962 verursacht hatte – ein kommunistisches Experiment mit Hunger und Massenmord. Ob sie auch von Maos «Kulturrevolution» nichts wussten, die 1966 begann und zehn Jahre, bis zu Maos Tod, dauerte? Auch diese hatte unmittelbar Millionen von Toten zur Folge. Die Roten Garden wüteten im Auftrag Maos im ganzen Land mit Terror gegen alles, was mit Kultur in Verbindung gebracht werden konnte oder als konterrevolutionär betrachtet wurde.
Lehrerschaft und Medien waren seinerzeit nicht fähig, den Schülern Maos Verbrechen gegen das eigene Volk zu erklären und ihn auf die gleiche Stufe wie Stalin und Hitler zu stellen. Und heute? Wäre es nicht Aufgabe der Schulen, Tabuthemen zu behandeln, welche klimarelevant sind? Also zum Beispiel die Herumfliegerei in den Ferien, oder das Abschalten von Kernkraftwerken in Deutschland und der Schweiz zugunsten von Kohle- und Gaskraftwerken?