Fake in den Medien (21.12.18)

Der «Spiegel» wird von einem Journalisten-Skandal heimgesucht. Ein mehrfach ausgezeichneter Mitarbeiter hat seine Berichte massiv gefälscht, «gefaked» wie man heute sagt. Teile seiner schlüssigen und süffigen Darstellungen hat er frei erfunden, und während Jahren hat es niemand gemerkt. Mir scheint das nicht so ungewöhnlich, weil sehr viele Journalisten ihren Berichten eine ihnen passende Färbung geben, sei dies durch die Auswahl ihrer Informanten und Interviewpartner, oder durch das Weglassen nicht in das eigene Bild gehörender Fakten und Aussagen, durch das Setzen von Schlagworten und Titeln sowie Bildern, welche die eigene Meinung pointieren. Zu Fake-Bildern als Beispiel: Illegale Migranten sind im Bild meistens Frauen und Kinder, obwohl es in der Realität überwiegend junge Männer sind, die in Booten übers Mittelmeer kommen. Journalisten berichten über deren Rettung, was mehrheitlich ebenfalls nicht stimmt: Sie werden vor der Küste Libyens von ihren Schlauchbooten in grössere Schiffe übernommen – alles wohl organisiert.

Ostafrikanische Eindrücke (13.12.18)

Nach der Reise entlang der Ostküste Afrikas und der Westküste Madagaskars bleibt ein Eindruck dominant: Die Länder sind nicht nur mausarm, sondern haben keine Konsequenzen gezogen aus einer banalen Erkenntnis, die mindestens seit fünfzig Jahren allgemein bekannt ist: Das Bevölkerungswachstum ist viel zu hoch. Die Zahl der Menschen in diesen Regionen verdoppelt sich alle ca. fünfundzwanzig Jahre. Selbst gut regierte und verwaltete moderne Industrienationen wären nicht in der Lage, eine solche Entwicklung zu bewältigen, weder bezüglich Infrastruktur, Schulen, Gesundheitswesen, Sicherheit oder Mobilität, noch bezüglich Staatsverwaltung und nachhaltigem Umweltschutz. Nun waren diese Staaten immer schon schlecht organisiert, und eine ordnungszerfressende Korruption erschwert das tägliche Leben und ein normales Wirtschaften. Die meisten Staaten sind hochverschuldet. Unsere Entwicklungshilfe – gut gemeint, in Milliardenhöhe – bleibt weitgehend wirkungslos. Sie ernährt hunderte von NGOs mit ihren tausenden von Mitarbeitenden; sehr viele davon sind Aussteiger aus der Leistungsgesellschaft und geniessen ihre Gutmensch- und Helferstellung. Besonders ärgerlich ist die Tatsache, dass unsere Steuergelder in Form von Entwicklungshilfe an Länder gehen, deren Staatsverantwortliche sehr reich sind, aber ihrem Land keine Steuern bezahlen. - Wie könnte man das ändern? Es bräuchte einen vollständigen «Reset» der Hilfe an solche Länder, ein Aussetzen über mehrere Jahre und danach einen Neustart mit neuem Personal, klaren Kriterien, Auflagen und Kontrollen.

Oswald Grübel (27.11.18)

Vortrag und Diskussion mit Oswald Grübel, dem ehemaligen CEO von UBS und von CS. Grübel sieht die Wirtschaft am Gängelband der Politik, und die Politik ziemlich abgehoben von den wirtschaftlichen Notwendigkeiten. Die Zentralbanken mit ihrer Billiggeldpolitik handeln im Interesse der Politiker, nicht im Interesse der Wirtschaft. Die Politiker nutzen das billige Geld zur weiteren Verschuldung ihrer Länder, nicht zur Inangriffnahme notwendiger Reformen. Italien sei dafür der Vorzeigefall. Frankreich werde folgen, es werde der nächste grosse Schuldenfall im Euroraum, von der Grösse her noch gewichtiger als Italien. Frankreich werde die Target2-Salden hochfahren, ähnlich wie bisher Italien und Spanien. Deutschland hat heute Target2-Forderungen von knapp eintausend Milliarden Euro, es dürften wegen Frankreich bald eintausendfünfhundert Milliarden Euro sein. (Zum Vergleich: Der Deutsche Bundeshaushalt beträgt rund dreihundertfünfzig Milliarden Euro pro Jahr.) Diese Forderungen sieht er als verloren. - Für Donald Trump findet er ein gewisses Verständnis, nicht für sein Betragen, jedoch für seine Politik gegenüber China und der Nato-Bündnispartnern.

Familienunternehmen und Streit (26.11.18)

Kürzlicher Anruf meines Freundes Gerhard Swarovski. Wir treffen uns heute in Zürich. Seit mehr als zehn Jahren haben wir uns nicht mehr gesehen. Im Gesellschafterkreis des österreichischen Swarovski-Imperiums herrscht Uneinigkeit. Etwa achtzig Gesellschafter und Gesellschafterinnen streiten über eine mögliche Umwandlung der Personengesellschaften in Kapitalgesellschaften zwecks späterer Öffnung für Publikumsaktionäre. Der Konflikt wird mehr oder weniger öffentlich ausgetragen, die Medien sind interessiert. Das Geschäft ging schon mal besser als heute - aber im Vergleich zu üblichen Unternehmen immer noch sehr gut -, weil die Chinesen mit dem geschliffenen Glas seit einiger Zeit als Konkurrenten auftreten – viel billiger natürlich. Das Stammhaus Wattens ist als Produktionsstätte gefährdet. Rund 32'000 Mitarbeiter erwirtschaften weltweit 3.5 – 4 Mia. Euro Umsatz in den drei Geschäftsbereichen Kristall, Schleifmittel und Optik. Der Gesellschafterstreit dauert nun schon mehr als zehn Jahre, wobei die Streitthemen sich verschiedentlich geändert haben. - «Friede ernährt, Unfriede verzehrt» steht im Stadtwappen von Flensburg. Gilt auch für Familienunternehmen.

Medien und Alltag (25.11.18)

Grosse Themen beherrschen seit Jahren die Medien: Brexit und seine möglichen Folgen, Trumps Handelskonflikte, Italiens Verschuldung, Geldschwemme im Euroraum mit Nullzinsen für Sparer, Migrationskrise in Europa, Klimaerwärmung, Krieg in Syrien etc. Themen der Medien. Und im Alltag der Menschen? Für die allermeisten Menschen sind diese realen Probleme im Alltag bedeutungslos; sie haben bestenfalls einen gewissen Unterhaltungswert. Warum? Für sie sind andere Dinge wichtig: Vollbeschäftigung, Wohlstand, individuelle Mobilität, soziale Sicherheit, Urlaub, Bildungsangebote aller Niveaus, sichere Gesundheitsversorgung, Informations- und Kommunikationsgelegenheiten, Konsumgüter- und Unterhaltungsangebote. All das ist hierzulande ausreichend vorhanden, es herrscht daran kein Mangel – und trotzdem pflegt man den Gruss des vorsichtigen Kaufmanns fast täglich: das Klagen.