Impfen - medial begleitet

Impfen ist in aller Munde und in den letzten Monaten grosses Thema in den Zeitungen. In der Schweiz liest man von Impfungen, von Geimpften. Österreich kennt Impflinge und Impfmuffel. Deutsche Medien sind dagegen viel innovativer. Dort begann es mit Impfbehörden – klar: in Deutschland kann nur der Obrigkeitsstaat in der Impfverantwortung sein -, und so startete man fast zwangsläufig mit einem Impfdebakel, einem Impfdesaster, mit Impfverwirrung und Impfpannen. Europafreunde traten gegen den Impfnationalismus auf und verlangten Impfsolidarität mit dem Rest der Welt - darunter macht man es bekanntlich nicht. Ihnen wurde von anderer Seite Impftotalitarismus entgegengehalten.

Der Impfmotor wurde schliesslich gestartet und kam sogleich ins Stottern. Impfziele wurden verpasst, das von der Impfkommission verlangte Impfprogramm fand Impfkritiker. Impfzentren wurden gefordert und errichtet. Impfdrängler wurden gescholten, ihnen wurde Impfwahn und sogar Impfhysterie vorgeworfen. Dann kam der Impfwettlauf, das Impfrennen in Verruf, vor allem bei den Impfneidern. Mit der Zeit nahm dann aber mit einer Impfoffensive die Impfdynamik zu, nach niederschwelligen Impfzugängen wurde gerufen, Impfzögerer und Impfzauderer sollten animiert werden, Impfskeptiker wollte man überzeugen, Impfverweigerer und Impfgegner dagegen an den Impfpranger stellen - so sollte der Impfdruck erhöht werden. Impfmobile und Impfbusse mit Impfhelfern kamen zum Impfeinsatz, Impfanreize in Form von Bratwürsten wurden geboten, Spontanimpfungen propagiert. Täglich wurden Impfquoten gemeldet, Impfrankings bzw. Impfranglisten publiziert. Nachdem irgendwo der Impfturbo gezündet worden sein soll, war von Impfrausch die Rede. Dann aber wurden Impftermine nicht eingehalten, erstmals wurden Impfschwänzer in Massen festgestellt, ebenso Impftrödler, die Bevölkerung sei impfmüde - zweimal sich pieksen lassen sei anstrengend -, Impfängste diagnostiziert, die Impfbereitschaft nahm ab, das Impfpotential wurde zu wenig ausgeschöpft, Impfdosen mussten entsorgt werden, nach den Impfwehen seien nun die Impfnachwehen da. Die Statistik deckte ein Impfgefälle auf, sogar einen Impfgraben zwischen Stadt und Land. Schulen berichteten von Impfzank.

Impfwillige mit explizitem Wunsch nach einem bestimmten Impfstoff wurden als Impf-Feinschmecker bezeichnet. (Wirkliche wahr!)

Privatpraxen machten eine Impfpause. Apotheker beförderte man zu Impfapothekern.

Die Forderung nach Impfsolidarität mit ärmeren Regionen der Welt konnte nicht ausbleiben, Impfgerechtigkeit wurde vermisst, man schrieb von Impfapartheid - also wurden Impfhilfen beschlossen und Impfdiplomatie angemahnt, um dem Vorwurf der Impfarroganz zu begegnen. Man befürchtete sogar einen Impfkrieg.

Schliesslich wurde die Impfpflicht, das Impfobligatorium verlangt - und gleichzeitig als Impfzwang bekämpft. Neuerdings liest man von Impfblues, ohne nähere Definition dieser sprachlichen Neuschöpfung. Journalisten fanden in der Sommerpause Impfsprengstoff, was wohl sozial gemeint ist und gegen den Impfpass oder Impfausweis zielt; die Impfzertifizierung von Menschen ist umstritten. Impfgegner sprechen von Impfterror und bekämpfen Impfprivilegien.

Mit einer Impfbarriere wollte man das Vordringen des Virus verhindern. Doch: Der Impfschutz wurde kürzer, die Impfresistenz geriet ins Wanken, das Virus schaffte den Impfdurchbruch durch die Impfabwehr. Nach Erstimpfung und Zweitimpfung soll nun eine Auffrischimpfung kommen, Impfbooster genannt.

Nebenbei konnte man erfahren, dass die deutsche Bundesregierung einen Impfbeauftragten ernannt hat (es gibt noch 43 weitere Beauftragte, alle ohne gesetzliche Grundlage, so zum Beispiel für weltweite Religionsfreiheit, Datenschutz, Queermenschen, Diversity, Gender, Bürokratieabbau, Meere, Tierschutz; mehr als die Hälfte dieser Beauftragten sind auch Parlamentarier). Was er tut, weiss man nicht. Sicher hat er einige Mitarbeiter und Pensionsberechtigung. - Ein Impfministerium ist noch nicht im Gespräch, eine Impfpolizei auch noch kein Thema.

Die EU, anfänglich als Impfversagerin verspottet, meldet sich nun mit Impferfolgen. Italien habe sogar ein Impfwunder erlebt.

Impfbaustellen bleiben uns gewiss noch eine Weile erhalten, was noch viele Impf-Wort-Neuschöpfungen erwarten lässt.

(PS: Ich bin geimpft, und die Boosterung folgt.)

Quellen: Vor allem FAZ und BILD-Zeitung.

August 2021

 

Nachtrag März 2023:

Pandemie-Ende. Die Schweiz hat zu viele Impfdosen bestellt. 10 Millionen wurden bereits vernichtet - Wert ca. 250 Mio. Franken. 26 Millionen Dosen im Wert von 650 Mio. Franken (plus Entsorgungskosten) warten noch auf ihre Vernichtung, denn die behördlichen Impfempfehlungen wurden zurückgefahren.

650 Millionen Franken: soviel würde ein neuer Alpentunnel unter dem Grimselpass kosten, der zurzeit gerade in Diskussion ist. Oder Totalkosten der zu vernichtenden Impfdosen, also 650 Millionen und 250 Millionen = 900 Millionen: soviel würde die Durchfahrt-Untertunnelung meiner Heimatstadt Rapperswil-Jona kosten, die seit Jahrzehnten diskutiert und als zu teuer erachtet wird.

 

Ein Gott ist der Mensch, wenn er träumt – ein Bettler, wenn er denkt

Ein bekannter Umweltwissenschaftler, Professor einer Universität, hielt in kleinem Kreis von Leuten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Medizin und Kultur einen Vortrag über die aktuelle Lage und die aus seiner Sicht notwendigen dringlichen Massnahmen. Die Lage erläuterte er mit einer raschen Abfolge von Daten, Statistiken, Verweisen auf wissenschaftliche Expertisen und populäre Buchpublikationen, politischen Meinungsäusserungen, Gerichtsentscheiden, historischen Vergleichen usw. Es ging um Artensterben, Ressourcenverbrauch, Klimawandel bzw. CO2, Luftverschmutzung, Nachhaltigkeit, erneuerbare Energiesysteme, Disruptionen in der Menschheitsgeschichte usw. Die praktische Wirtschaft sei heute gefangen im Denken der Produktivität, vor allem der Arbeitsproduktivität. Innovationen gingen in die völlig falsche Richtung, weil sie ressourcenverschleissend seien. Der Wohlstand sei heute viel zu ungleich verteilt. Die Volkswirtschaftslehre halte an völlig überholten Vorstellungen ökonomischer Zusammenhänge fest. Die Finanzindustrie komme in der Volkswirtschaftslehre gar nicht vor. Usw.

Die Klimaziele müssten unbedingt erreicht werden, die Erderwärmung sei auf 1.5° C zu begrenzen.

Vieles war den Zuhörern bereits bekannt, anderes neu. Einiges blieb zusammenhangslos im Raum stehen - war wohl interessant, hatte jedoch keinen Bezug zum übrigen Inhalt.

Einige Male erwähnte er seine beruflichen Kontakte zu den höchsten Kreisen in der Politik, die er berate und an deren Texten er mitschreibe.

Seine Forderungen, die er aus der Lageanalyse ableitete, waren viel radikaler als üblicherweise publiziert, vor allem bezüglich ihres zeitlichen Wirksamwerdens: Starke Einschränkung der Mobilität in den allernächsten Jahren; Share Economy für alles, was man nicht dauernd braucht, vor allem Autos, aber beispielsweise auch Hobby- und Heimwerkerartikel; Verzicht auf Fleischkonsum; sofort viel mehr Wind- und Solarenergie; Schliessen der Materialkreisläufe zur Reduktion des Ressourcenverbrauchs; dramatisches Senken der CO2-Emissionen, auch durch Vervielfachung des CO2-Preises; Konsumverzicht bei Kleidung, Wohnen, Freizeit; Konsumenten müssten unverzüglich und völlig auf Klimaschutz umdenken; Neudefinierung der Landwirtschaft in Richtung Bio und Artenvielfalt.

In der anschliessenden Diskussion kamen Zweifel zur Sprache. Was geschieht, wenn die Klimaziele bis zum Jahre 2030 oder 2050 verfehlt werden? Was kann Europa zu diesen Klimazielen beitragen? Welchen Einfluss haben China, Indien, die USA? Was bewirkt das massive Bevölkerungswachstum in Afrika mit Blick auf das Klima? Die Antworten dazu blieben aus oder waren ziemlich vage, ausgenommen jene zu Afrika. Die afrikanische Bevölkerung wachse noch stärker als bisher angenommen, berichtete der Referent, und zwar von 1.3 Milliarden Einwohner auf 4 Milliarden vor dem Ende des Jahrhunderts. Allein in den nächsten dreizehn bis fünfzehn Jahren werden es 500 Millionen Afrikaner mehr sein als heute. Dazu müsse Afrika ein neues Wirtschaftsmodell einführen, eines, das auf nachhaltige Umwelterhaltung ausgerichtet sei, nicht eines, welches der heutigen Wirtschaft in der Welt entspreche. Wie das gehen soll, konnte nicht mehr vertieft werden, denn an diesem Punkt ging die Diskussion in allgemeines Geplauder über. Offenbar waren die Teilnehmer zur Erkenntnis gelangt, an diesem Abend mit jemandem im Gespräch zu sein, der in höheren Sphären der Theorie sein Brot verdient. Denn: In über fünfzig mehrheitlich unterentwickelten afrikanischen Staaten ein neues Wirtschaftsmodell einzuführen, das nicht einmal in Europa oder sonstwo auf der Welt existiert, das empfand man doch als zu utopisch. Für Träumereien war der Abend noch zu jung.

Zeitgeist mit Folgen

Mein persönlicher Rückblick auf den Zeitgeist der sieben vergangenen Jahrzehnte lässt sich verkürzt so zusammenfassend formulieren:

Die fünfziger Jahre waren dominiert vom Wunsch nach Wohlstand. Man arbeitete dafür 45 bis 48 Wochenstunden, der Jahresurlaub beschränkte sich auf zwei Wochen.

In den sechziger Jahren stand die individuelle Mobilität weit oben auf der Themenliste, also die Automobilität. Mit der Pille kam die sexuelle Revolution. Die Haushalte wurden «motorisiert» und modernisiert mit maschinellen Hilfsmitteln. Die «Achtundsechziger» veranstalteten die Begleitmusik.

Die Siebziger wurden von zwei Erdölkrisen geschüttelt und brachten das Energiesparen auf die Bühne der Aufmerksamkeit. Dazu ängstigte die sehr hoher Inflation die Menschen. Das Reisen kam gross in Mode. Damit waren die wichtigsten Themen der öffentlichen Diskussion gesetzt.

Das Jahrzehnt der Achtziger ist mir in Erinnerung als Zeitenwende des Kalten Krieges. Der Mauerfall und die Deutsche Wiedervereinigung gaben dazu den Höhepunkt, der Zerfall der Sowjetunion in den ersten Jahren der Neunziger machte die Fortsetzung. Der US-Präsident Ronald Reagan und Englands Margrit Thatcher setzten liberale Akzente und brachten damit ihre Länder «back to work».

Das letzte Jahrzehnt des Neunzehnten Jahrhunderts war sichtbar geprägt von der beginnenden digitalen Revolution: Computer wurden beruflich und privat mehr und mehr genutzt, Mobiltelefone ebenso, das Internet und E-Mail kamen in Gebrauch, weltweite Reisen wurden kostengünstig und beliebt. Der Zeitgeist hiess Technologie und Globalisierung willkommen. Die Dot.com-Blase machte die Kapitalanleger schwindlig.

Die Nullerjahre führten zu einem breiten Einsatz der digitalen Technologien im Privaten wie im Beruf. Soziale Netzwerke kamen auf, ebenso aber auch der Terrorismus (9/11), die Dot.com-Blase platzte, und aus den USA heraus entwickelte sich eine Bankenkrise.

Und die Zehnerjahre: Social Media, Smartphone, illegale Migration, Umweltschutz, Populismus, Datensicherheit, Chinas Bedeutung für die Welt, Gleichberechtigung, Negativzinsen, America first, Vegan, Eurorettung, Corona-Pandemie - ein bunter, heterogener Strauss von zeitgeistprägenden Agenden.

Und nun, zu Beginn der Zwanzigerjahre ist der Zeitgeist geprägt von Themen wie: Gleichstellung, Quoten, Gender, grün, links, woke, sozialer Ausgleich, soziale Gerechtigkeit oder sogar soziale Gleichheit, Diversität, Solidarität, Teilzeit, Elternzeit, Jobsharing, Political Correctness, Identität, Inklusion, soziale Medien, Klimaschutz, zivilreligiöse Aktivisten, Cancel Culture, Umdenken, Elektromobilität, Alarmismus, NGO, mehr Staat. – Negativ besetzt sind Themen wie Leistung, Fakten, Nation, Marktwirtschaft, Konzern, wirtschaftliche Macht, Eigenverantwortung, selbstverdientes Geld, Haushaltarbeit, Hausfrau, Liberalismus, Rasse, Elite, weisser alter Mann. - Welche Themen sich nachhaltig durchsetzen werden, ist ungewiss. 

Was sind die bereits heute absehbaren Folgen des aktuellen Zeitgeistes? Es gibt mehr Umverteilung, mehr Kollektivität, mehr leistungsfreie Berufe ohne Wettbewerb, Einschränkungen der Denk-, Sprech- und Handlungsfreiheiten, Aufhebung von überholten Regeln des Zusammenlebens, neue virtuelle Themengemeinschaften mit Zugehörigkeitsnutzen für ihre virtuellen Mitglieder.     

Die Medien veranstalten Panikorchester, transportieren links-durchgrünten Hypermoralismus, haben wenig gegen tyrannische Ideologien, die in ihrem Mainstream liegen.

Was und wem nützt es, schadet es? Wir wissen es in zehn Jahren, wenn wir den Massstab anlegen können an den Schutz unserer Natur und dabei auch des Klimas, an den Wohlstand und dessen Verteilung, an die individuelle und kollektive Freiheit und Sicherheit, die Infrastruktur, das Gesundheitswesen, die Bildung, die kulturellen Leistungen. Der Zeitgeist der vergangenen Jahrzehnte wurde wohl von den jeweiligen Umständen stark beeinflusst, hat aber auch viel beigetragen zu den fortschreitenden zivilisatorischen und kulturellen Errungenschaften. Die Natur wurde indessen zu wenig geschützt.

 

Mainstreaming

Ich lese täglich die Zeitung und höre am Radio Nachrichten und Kommentare. Sehr vieles, was man dabei vernimmt, gehört zur Kategorie des Mainstreamings. Beispiele:

Politiker äussern sich zu bevorstehenden Massnahmen und betonen, dass man das  g e m e i n s a m  machen müsse. Immer gemeinsam. Das Wort ist in der Politik so allgegenwärtig, dass man darauf verzichten könnte. 

Medien haben andere Lieblingswörter. Zum Beispiel wollen sie politische Entscheide umgesetzt sehen, und das formulieren sie so: Man muss diese und jene Bürger in die Pflicht nehmen – meistens die Wirtschaft -, die Zügel anziehen. Man stellt sich Pferde oder Esel vor.

Strenge Gesetze müssen her, strenge Vorschriften, strenge Verbote, strenge Massnahmen, strenge Kontrollen.

Fast täglich wird gewarnt, man schlägt Alarm. Jüngst haben Velohändler vor Lieferengpässen bei Fahrrädern gewarnt - mitten im Winter -, zum Alarmschlagen hat’s noch nicht gereicht. Doch eine Sonntagszeitung brachte diese Branchen-Werbung auf der Titelseite.

Beliebt sind auch Protestierer. Aktivisten protestieren; Andersdenkende sind Leugner oder schlimmeres.

Man warnt vor sozialer Spaltung, fordert mehr soziale Gerechtigkeit.

Gleichberechtigung fehlt allenthalben – es muss mehr Gleichberechtigung her, vor allem für Frauen. Gleichberechtigung für Frauen gibt’s nirgends.

Arme werden immer ärmer, Reiche immer reicher. Arme sind unverschuldet arm, Reiche unverdient reich.

Pflegekräfte sind immer überfordert und unterbezahlt – auch wenn sie in Kurzarbeit sind, wie in der ersten Coronawelle – Ärzte sind hingegen immer nur überlastet.

Konzerne sind mächtig und handeln unverantwortlich, denken nur an Profit

Eine NGO kritisiert irgendetwas, fast täglich, und sie macht Werbung für sich selbst. Es gibt in unserem kleinen Land hunderte von NGOs, die meisten sind intransparent, woher das Geld kommt und wie es verwendete wird, weiss man nicht, gewählt wurden sie auch nicht, von niemandem. Sie wählen sich selbst. Und sie sind die grossen Helfer, die Guten, haben immer Recht, wissen es besser, kontrollieren die Welt. Die Medien spielen das Spiel der NGOs mit.

Klimakrise darf in keiner Tageszeitung fehlen. Irgendeine Institution hat dazu immer etwas vermeintlich Neues zu sagen, und wenn’s dabei in den journalistischen Mainstream passt, so ist es eine renommierte Institution oder Person, die das sagt, obwohl sie fast niemand kennt.

Solche Mainstream-Inhalte von Zeitungen kann man überblättern. Das Radio hat Um- und Ausschalter.

Und doch ist Mainstream-Sprache ein Ausdruck von Zeitgeist. Unser Zeitgeist entfernt sich offenkundig von individueller Freiheit, will staatlichen Zwang, hält nicht mehr viel von individueller Leistung, schätzt stattdessen schreiende Aktivisten, lebt in virtuellen Welten und pflegt dort das verstaubte geistige Inventar.

 

Wohlstandsverwöhnte Aktivisten

Die wohlstandsverwöhnten Kinder der jetzigen Elterngeneration engagieren sich zuweilen in gut organisierten Gruppen für allerlei, aktuell vor allem für das Klima, für Migranten, für den Erhalt von Bäumen, für die Umwelt, gegen Kraftwerke, gegen die Rüstungsindustrie, gegen die «Finanzindustrie» etc. Es sind «Ein-Themen-Parteien», angesiedelt im Gewirr der wenig transparenten Nichtregierungsorganisationen. Zuweilen nutzen politische Parteien und Politiker sie als Mitfahrgelegenheit für eigene Profilierungen und Publizität.

Wenn man sich die bildlich-grafischen Darstellungen von Flugverbindungen einzelner Fluggesellschaften vor Augen hält, so sieht man den Heimatflughafen der betreffenden Fluggesellschaft immer in der Mitte eines in alle Richtungen ausstrahlenden Netzes. In gleicher Weise sehen die Aktivisten die Welt: Ihr Thema ist das Zentrale, der Mittelpunkt.

Während sich in der realen Welt die parlamentarische Willensbildung und die Mitbestimmung von Handelnden und Ausführenden in vielen Ländern durchgesetzt hat – und das sehr zum Wohl der Menschen -, ist den Aktivisten solches Gedankengut fremd. Sie fordern autoritäre Massnahmen zu Gunsten ihres Themas, auch gegen geltende Gesetze und Regeln. Ihr Denken hat fundamental-religiöse Züge und ist entsprechend wirklichkeitsfremd.