Martin Lendi (6.11.18)

Ich habe heute die Verabschiedung von Martin Lendi aus dem Stiftungsrat der Dr. Bertold Suhner-Stiftung vorbereitet. Martin war fast dreissig Jahre Stiftungsrat und tritt nun auf Ende Jahr altershalber zurück. Die Stiftung finanziert Natur-, Tier- und Landschaftsschutzprojekte. Martin Lendi, emeritierter ETH-Professor für Raumplanung, Ehrendoktor der Universität Wien, brachte sich im Stiftungsrat als Wissenschafter, Raumplaner, Kenner der öffentlichen Verwaltungen, Denker in Zusammenhängen und kluger Diskutant ein. Er war der erste, der die Bedeutung der Siedlungsökologie erkannte: Die natürliche Diversität geht in der Intensivlandwirtschaft verloren; der Siedlungsraum muss der Artenvielfalt eine Chance geben. - Wir werden Martin Lendi vermissen.

"Professorale Qualität" (5.11.18)

In einer kleinen Runde habe ich einen Verwaltungsratskollegen und HSG-Professor gefragt, wie die Uni ihren Miss-Professor loswerden wolle, der als Präsident von Raiffeisen diese Bankengruppe ins Elend geführt hat. Die Frage kam gar nicht gut an: Das sei doch nur ein regional wahrgenommenes Problem, in Basel würde man darüber nicht diskutieren, auch die Medien seien nicht weiter interessiert. - Man erkennt an dieser Reaktion, wie sich professorale Qualität hier definiert: Es reicht, wenn man nicht öffentlich verachtet wird.

Familienunternehmen (4.11.18)

Telefonat mit dem Beiratsvorsitzenden eines Automobilzulieferers. Die beiden Gesellschafterstämme mit je 50 % Stimmenanteil sind sich krass uneins, und es sieht nach einer Verschärfung dieses Zwistes aus. Das Geschäft läuft dabei ausgezeichnet. In den vielen Unternehmer-Nachfolgelösungen, die ich in meinem Beruf gestalten konnte, habe ich die Patt-Lösungen vermieden. Sie sind konfliktanfällig. Roland Bertsch, mein früh verstorbener Freund, schrieb in seiner Dissertation zu Familienunternehmen: "Zwei Hähne auf einem Mist, ein stetes Streiten ist."

Peter Sloterdijk (3.11.18)

Peter Sloterdijks Buch "Zeilen und Tage" (Suhrkamp-Verlag 2012) erinnert mich stark an die "Notizen eines Müssiggängers" des Schweizer Historikers Jean Rudolf von Salis, erschienen in den 80er Jahren, von mir damals mehrfach als Geschenk an Freunde verteilt. Beide Autoren sind Wissenschafts-Persönlichkeiten, von Salis inzwischen weitgehend vergessen, was Sloterdijk wohl noch bevorsteht. Sprachlich ist Sloterdijk dem Schweizer überlegen, ja er ist ein eigentlicher Sprachschöpfer. Mit neuen Worten versteht er es, Meinungen und Eindrücke auf kürzeste Weise auszudrücken.