Bürokratie-Wahnsinn

Ich erhalte die "Grosse Witwerrente" aus Deutschland: jährlich 3.12 Euro (kein Witz!). Mehrmals habe ich der zuständigen Behörde in Berlin geschrieben in der Meinung, dass man meinen Anspruch mit einer kleinen Pauschale abschliessend erledigen könnte. Eine Reaktion blieb bisher aus. Mein letzter Versuch von 2021:


Andreas Menzl
Staag 17a
CH-9402 Mörschwil
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                                                                                              Deutsche Rentenversicherung, Bund
                                                                                              Internationales und Beratungsdienst
                                                                                              Ruhrstrasse 2
                                                                                              D-10704 Berlin

                                                                                             

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                                                                                                 11. Juni 2021

 

Versicherungsnummer, Kennzeichen 61 150142 K 519, 5549, (000-01)
 
 
Sehr geehrte Damen und Herren
 
Sie haben mir mit Datum 15.5.2021 einen neuen Rentenbescheid zugestellt. Der bisherige Bescheid wird hinsichtlich der Rentenhöhe mit Wirkung ab 01.07.2021 aufgehoben.
 
Die bisherige Grosse Witwerrente haben Sie neu berechnet. Neu beträgt sie 0.26 EUR (sechsundzwanzig Cents) pro Monat.
 
Die bisherige Rente betrug gleich viel, also auch 0.26 EUR pro Monat.
 
Wie bisher werden vierteljährlich 3 x 0,26 EUR = 0,78 EUR bezahlt.
 
Ihr neuer Bescheid umfasst 10 Schreibmaschinenseiten.
 
 
Bin ich der Einzige, der solche skurrilen Rentenbescheide erhält? Wenn ja, so vergessen Sie dieses E-Mail, Sie können es löschen. Wenn nein, so wäre eine Überprüfung Ihrer Praxis angezeigt mit dem Ziel, die Bürokratie und deren Kosten zu reduzieren. Ich vermute, Sie haben gute juristische Argumente für Ihre heutige Praxis. Doch sollte Ihre diesbezügliche Expertise eigentlich nicht nur für den bürokratischen Status quo eingesetzt werden, sondern auch für den Bürokratieabbau.
 
Mein Schreiben erhalten Sie nur per E-Mail. Die Sendung per Post würde mich eine halbe Jahresrente der Grossen Witwerrente kosten.
 
Freundliche Grüsse
Andreas Menzl
 
 
                                                                                             

 

 

 

 

Zivilreligiöses

Zeitgeistige Trends sind wohlbekannt – Kleidung, Denken und Verhalten richten sich mehr oder weniger danach.

Neu scheint mir ihr Absolutheitsanspruch. Man hat so zu denken und zu sprechen, wie es der veröffentlichte Zeitgeist verlangt. Beispiele: Gleichstellung, Gleichheit, Quoten, gender, grün, woke, soziale Gerechtigkeit, Diversität, Datenschutz, mehr Regulierung bzw. strenge Massnahmen und strenge Kontrollen zu vielen Themen, Identität, political correctness, Klima, cancel culture, Solidarität, Oeko.

Aktivisten machen sich für diese Themen stark, NGO sind ganz vorne dabei – beide bekommen von den Medien unbestritten Recht.

Hat man eine andere Meinung als die politisch Korrekten, so ist eine Abstrafung zu erwarten.

Wellen der Solidarisierung ziehen über Gesellschaften her, wie beispielsweise die me-too-Bewegung, black-lives-matter etc. - Denkmäler werden zerstört, Häuser und Strassen umbenannt.

Offenbar gab es das aber auch schon früher. Stefan Zweig notierte im Jahre 1941, es mache sich eine „Herdentollheit“ breit, „tyrannische Ideologien“ seien breit akzeptiert. In seinem Buch über Montaigne fand er für solchen Zeitgeist die Bezeichnung „Tollwut der Fanatiker und Ideologen“.

Also: Die aktuellen Trends sind grundsätzlich nichts Neues.

Aber was ist heute nicht im Zeitgeist, was ist in der veröffentlichten Meinung nicht trendig, ja sogar „out“? Wenig Zuspruch erhalten beispielsweise: Nationalismus, Fakten, Leistung, Wirtschaft, Konzerne, wirtschaftliche Macht, Marktwirtschaft, Privatwirtschaft, Eigenverantwortung, Haushaltsarbeit, Hausfrau, Liberalismus, Elite, Rasse, weisser alter Mann, persönliches Risiko.

Henry Kissinger meint in der NZZ vom 20.5.21: „Für die internationale Strategie und Aussenpolitik muss man mindestens zwei Dinge verstehen. Erstens die Substanz dessen, was vorliegt: Was sind die Antriebskräfte, und was hält ein System aufrecht? Zweitens muss man die auftretenden Trends verstehen. Nichts ist statisch, …“ Das gilt natürlich nicht nur für die Aussenpolitik, sondern für jede längerfristige Entwicklung sozialer Systeme, also für Gesellschaften, Länder, Unternehmen. Man muss die statischen und dynamischen Einflussfaktoren verstehen.

Betrachtet man die erwähnten aktuellen Trends und Nicht-Trends und versucht daraus längerfristige Entwicklungen abzuleiten, so sind interessante Schlüsse möglich. Welche?

Meine Ideen dazu: Weitere Einschränkung der Denk-, Sprech- und Handlungsfreiheit, mehr Kollektivität, weitere Reduktion von überholten Regeln des Zusammenlebens, häufigere Neuentstehung von virtuellen Themengemeinschaften mit individuellem Zugehörigkeitsnutzen, weitere Zunahme von leistungsfreien Berufen ohne Wettbewerb, mehr Umverteilung.

Juni 2021

 

"Klimaterroristen"

„Klimaterroristen“ ist zum Unwort des Jahres 2022 gewählt worden. Die Jury der Phillips Universität Marburg hat dies im Januar 2023 so entschieden. Woher sie das Recht dazu hat, wurde in kritischen Medien gefragt. Nun, ein Recht dazu hat jedermann. Nur muss man in der Lage sein, einen solchen Entscheid in die Öffentlichkeit zu bringen, und das gelingt nur entsprechend aufgestellten Institutionen. Die Uni Marburg hat sich diese Kompetenz in den letzten Jahren erarbeitet.

Im Angebot zum Unwort des Jahres 2022 lag auch das Wort „Sozialtourismus“. Es gelangte auf Platz 2 der Jury-Entscheidung. Im Vorjahr kam „Pushback“ auf Platz 1. Man erkennt daraus die politische Neigung des Gremiums.

Vertiefen wir uns in das Wort Klima mit seinen zahlreichen konkretisierenden Zusätzen. Im Internet findet man derzeit am häufigsten die „Klimachaoten“. Sie übertreffen in Sachen Häufigkeit die meisten anderen Schlagworte rund ums Klima, sogar den Klimawandel. Klimaerwärmung ist ähnlich zahlreich, aber wohl vielen Schreibern zu schwach. Man muss klotzen, nicht kleckern, um gelesen zu werden. Also: Klimanotstand (von Gerichten anerkannt als Rechtsgrund für gesetzeswidriges Verhalten, also Klimajustiz), Klimaalarm, Klimakrise, Klimawahnsinn, Klimakatastrophe, Klimaschock, Klima-Kipp-Punkt, Klimakollaps, Klimatote, Klimaerhitzung, Klimaapokalypse (besonders als Vortragstitel beliebt)Es herrscht die Klimaangst.

Wer sind die viel zitierten Referenten zu den gemachten Aussagen? Es sind die Klimawissenschafter mit ihren Klimamodellen und -prognosen, die Klimavordenker, die Klimaforscher, die Klimaexperten, die Klimakonferenzen (bisher 27; an der COP27 in Sharm-el-Sheikh kamen ca. 35'000 Teilnehmer aus über 190 Ländern zusammen; für die nächste in Dubai, COP28, sind mehr als doppelt so viele, ca. 90'000 gemeldet, alleine Deutschlands Regierung entsendet über 250 Teilnehmer; es seien Klimabeamte und Klimatouristen, meinen Kritiker, und in Dubai steige die grösste Klima-Massenparty der Klimapropheten mit den Klimapäpsten) und Klimagipfel, die zu Klimaabkommen geführt haben. Klimaberater verfassen Klimaberichte und halten Klimavorträge mit Klimabelehrungen. Sie wollen Klimawahrheit von Klimalügen unterscheiden. Klimadiskussionen führen dabei manchmal zu Klimazoff.

Wer sind die Klimaretter? Klimaschützer, Klimaaktivisten, Klimaprotestler, Klimakleber - sie werden mit einem Millionenbetrag von Unbekannten finanziert und veranstalten Klimablockaden; zwei Klimakleber schwänzten im Herbst 2022 einen Gerichtstermin in Bad Cannstatt und erholten sich stattdessen im fernen Thailand beim Badeurlaub - also Klimaurlaub; sie seien als Privatleute gereist, nicht als Klimaschützer, das müsse man auseinanderhalten. - Klimapolitiker, Klimaminister, Klimasenatoren, Klimabeauftragte (die Stadt Hamburg hat 29 davon; was sie tun, weiss man nicht, aber sie kosten 1.8 Mio. Euro pro Jahr), Klimabewegung, Klimafreunde (ein Verein), Klimahelden (ich kenne keinen), Klimademonstranten, Klimastreikende, Klimaprotestler, Klimaradikale, Klimarichter, Klimakämpfer, Klimakrawallanten, Klimarebellen, Klima-RAF, Klimaguerilla, Klimaextremisten, Klimainquisitoren, Klimataliban (zerstören Kunst- und Kulturgüter), Klimakrieger. Mit zunehmender Belästigung der Bevölkerung mutierten die Klimahelden in den Boulevardmedien zu Klimakriminellen.

Berlin kennt einen Klimabürgerinnenrat. Man will in dieser Stadt eine Klimagovernance - denn ein Klimaschutzkonzept oder eine Klimastrategie reichen nicht mehr.

Klimaseniorinnen machen mit gerichtlichen Klimaklagen auf ihre Klimaexposition aufmerksam und verlangen mehr staatliche Klimabeeinflussung. Es gebe ein Klimamenschenrecht, so lautet die Behauptung. Es brauche ein Klimaschutzgesetz.

Es werden Klimaclubs und Klimaallianzen gegründet, man trifft sich im Klimapavillion (am Zürcher Werdmühleplatz), kauft einige Nationalbank-Aktien, um  als Klimakapitalist eine klimaverträgliche Anlagepolitik der Schweizerischen Nationalbank verlangen zu können. In Basel wurde eine Klimagerechtigkeitsinitiative vom Volk angenommen.

Wer sind die Gegner der Klimaaktivisten, wer sind die Klimaschänder? Es sind Klimaleugner, Klimasünder, Klimaschmarotzer, Klimaidioten.

Illegale Migranten werden zu Klimaflüchtlingen umfunktioniert. Der Klimasüden hat die Klimaentschädigungsforderungen entdeckt, die der Klimanorden leisten soll. Dieser erwägt dafür einen Klimafonds.

Umweltverbände fordern die deutsche Ampelkoalition auf, eine Klimaregierung zu werden, womit dann die Klimabürokratie ihre Rechtfertigung findet. Der Deutsche Bundeskanzler müsse ein Klimakanzler sein. Klimasubventionen winken den Klimaunternehmern, die Klimainvestitionen klimaneutral werden wollen, ohne Klimakosten selber tragen zu müssen. Klimaschutzverträge werden für klimafreundliche Investitionen abgeschlossen. Wo Klimagelder, Klimamilliarden fliessen, stehen Klimavorreiter bereit. Es sind nicht nur Klimamoralisten und Klimaeiferer oder Klimafetischisten. Letztere zerren an meinen Klimanerven, sie sehen nur noch Klima. Manchmal ist Klimaheuchelei davon nicht weit entfernt.

Seit Jahren schon werden Klimazertifikate gehandelt. Von Landwirten wird klimagerechtes Handeln erwartet, sie sollen Klimawirte werden (kein Witz!).

Über allem steht das Klimaziel (1.5 Grad), das mit Klimamonitoring und Klimabilanzen überwacht wird. Das Klimarating zeigt einem Land, wo es steht (Schweiz auf Platz 22 von 60, die ersten drei Ränge sind nicht vergeben, also für die Schweiz tatsächlich Platz 19). Klimaneutralität gilt als allgemeine Handlungsmaxime.

Natürlich wird auch übertrieben. So wurden erste Klimanarzissten entdeckt. Die Klimareligion soll die Religionsmüdigkeit beleben, Klimasekten sind auch schon unterwegs mit besonderem Klimaglauben, Gretas Aktionen werden als Klimakreuzzug gesehen, von Kritikern manchmal als Klima-Kinderkreuzzug der Klimajugend. Uns allen droht die Klimahölle. Zumindest sei uns der Klimauntergang gewiss (so ungefähr um 2040 soll er sein, der klimabedingte Weltuntergang und damit das Ende der Menschheit).

Im Kindergarten – und nicht nur dort - werden Klimamärchen erzählt.

 Quellen: NZZ, St. Galler Tagblatt, BILD-Zeitung, Internet.

 

PS: Ich bin kein "Klimaleugner"; als Bergsteiger beobachte ich den klimabedingten Gletscherschwund bereits seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts. Aber die Klimamassnahmen, die von Europa und Nordamerika vorangetrieben werden, sind meines Erachtens wegen des grossen Klimagewichtes der übrigen Welt nicht zielführend.

Krisen und Katastrophen

Seit der Jahrtausendwende sind 22 Jahre vergangen. Krisen und Katastrophen waren in dieser Zeit häufig. Die Dotcom-Blase platzte, der Terroranschlag 9/11 erschütterte die Welt; die Finanzkrise 2008/09 mit der Lehmann-Brothers-Pleite führte die Finanzwelt nahe an den Systemzusammenbruch; die Euro-Krise im Gefolge der Griechenlandverschuldung liess Politik und Währungshüter zittern; die Flüchtlings- und Migrationskrise von 2015 gibt auch heute noch viel zu reden; die Corona-Pandemie veränderte das Leben auf der ganzen Welt für zwei Jahre und evtl. länger; und nun der Ukraine-Krieg, den zuvor die wenigsten auf dem Radar hatten.

Also sieben Krisen und Katastrophen in zweiundzwanzig Jahren, durchschnittlich alle drei Jahre ein solches Ereignis. Keines davon wurde erwartet, von allen wurden wir überrascht.

Welches ist die nächste? Möglichkeiten dafür gibt es viele: Energieversorgungskrisen, Staatsbankrotte, massenhafte illegale Migration, Wetterkapriolen von grossflächiger Dürre bis zu grossflächigen Überschwemmungen, neue Kriege, grosse Vulkanausbrüche, Währungszusammenbrüche, Hyperinflation, weltweite Rezession, neue Pandemien, erfolgreiche Cyberangriffe auf länderübergreifende Infrastrukturen, atomare Katastrophen, Terrorismus usw.

Die Welt hat im Gefolge der sieben Krisen und Katastrophen der letzten zwei Jahrzehnte an Stabilität verloren. Man erkennt es an der stark gestiegenen Verschuldung der USA und der EU. Auch die Notenbanken haben ihr Pulver weitgehend verschossen, man sieht es an den aufgeblähten Bilanzen, an der grossen Geldmenge und den niedrigen Zinsen.

Was tun? Sicherheit wird wichtiger, Vorsorge für unerwartete Krisen und Katastrophen gehört dazu - kollektive und individuelle.

Was kosten unsere Schulen?

Die Schulrechnung meiner Gemeinde Mörschwil gibt ein Beispiel für ein Phänomen in unserer Wirtschaft und Gesellschaft. Die Kosten pro Schüler und Jahr betragen rund 19'000 Franken. Damit liegt die Gemeinde im Vergleich mit anderen Gemeinden im üblichen Rahmen. (Schüler, die in anderen Gemeinden zur Schule gehen – also Outsourcing-Schüler -, kosten unsere Gemeinde rund 20'000 Franken Schulgeld.)

Welches Phänomen meine ich? Der eigentliche Unterricht beansprucht nur 55 % der Kosten; 45 % werden für Schulliegenschaften, Behörden, Verwaltung, Transport, Sozialarbeit etc. aufgewendet.

Für die Kerntätigkeit – also das «wertschöpfende» der Schule – wird also nur gut die Hälfte des Gesamtaufwandes benötigt.

So ist es in sehr vielen Bereichen: in der Wirtschaft, im Umweltschutz, der Landesverteidigung, der Sozialarbeit, im Gesundheitswesen – überall staunt der Betriebswirtschafter über den hohen Anteil der nicht direkt produktiven Arbeit und der nicht direkt produktiven Kosten, die nicht unmittelbar dem eigentlichen Zweck dienen, ja oftmals nicht einmal indirekt oder mittelbar.

Stoff für Diskussionen.